Gezwitscher
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Gesprächsstoff
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Herzstück
27_07
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Inflation der Sprechblase – der legitime Nachfolger des Apple’schen Spiegeleffekts?
Als Apple vor etwa 4-5 Jahren ein neues Designelement in seine digitalen Medien und Printkampagnen einfließen ließ, war ein neuer Trend geboren: Die Apple-Spiegelung. Von nun an stürzten sich etliche Kreative auf Photoshop, duplizierten ihre Fotos, spiegelten das Ganze und überzogen es mit einem Verlauf von der Hintergrundfarbe bis zur Transparenz.
Was bei Apple noch elegant und stimmig wirkte wurde schon bald inflationär benutzt – nicht selten musste man sich fragen, ob an der ein oder anderen Stelle das “wilde” Spiegeln wirklich notwendig oder eher ein blindes Folgen des Trendhypes war.
Den für mich krönenden Abschluss lieferte Jung v. Matt mit dem Marken-Relaunch der RWE AG. Da prangt doch tatsächlich ein gespiegeltes RWE im Slogan VoRWEg gehen. Nun ja… Achim Schaffrinna hat die passenden Worte zu diesem Thema in seinem Designtagebuch gesagt.
So langsam hat sich der Hype um das Spiegeln gelegt. Doch jedem Trend folgt der Nächste. Einer, der sich in letzter Zeit ähnlich aufdringlich verfolgen lässt, ist die Web 2.0 Sprechblase. Ich nehme mich da im Screendesign ausdrücklich nicht aus – auch ich verwende hin und wieder die Sprechblase als gestalterisches Mittel.

Twitter (links) oder Vimeo (rechts) beispielsweise benutzen das kleine Dreieck um eine zumeist rechteckige Fläche in eine Sprechblase zu verwandeln. Und der simple aber effektive Trick funktioniert. Optisch erzeugt der kleine Haken Aufmerksamkeit, semantisch transportiert er gleich zwei Dinge: 1.) Hier gibt es etwas zu sagen. 2.) Hallo. Wir reden mit Dir.
Nicht nur auf informationsorientierten Websites oder Communities wird das Dreieck eingesetzt. Auch Apple spielt wieder mit. Seit der Mac OS Version Leopard findet sich z.B. in den Stapeln des Docks die Sprechblase. Hier kennzeichnet der Haken gleichzeitig noch die Quelle der Sprechblase – eben genau den Stapel, dessen Inhalt gerade angezeigt wird.

Die Sprechblase ist, ähnlich dem Apple’schen Spiegeleffekt, nicht mehr nur dem Medium Internet vorbehalten. Seit dem europaweiten Launch des neuen On-Air Designs von MTV werden Flächen ,die Überschriften markieren, mit einem Dreieck ergänzt (s.o.).
Mein persönliches Twitter-Highlight der letzen Woche in Sachen Sprechblasen-Design war der Link zur Wandlampe Snakkes der schwedischen Designer von Funktion Alley (s.u.). Dieser Entwurf zeigt deutlich die Übertragung von Trends aus dem Screendesign in andere, dem Medium Internet fremde, gestalterische Disziplinen.

Ein weiteres Beispiel für den Transfer von Elementen des Screendesigns auf ein Offline-Medium konnte ich in der Essener Fußgängerzone finden. Auch hier stößt man auf die optische Markierung bzw. Andeutung eines Dialogs. Auf dem Plakat an einer Litfaß-Säule wird der Sprechblasen-Trend durch den Aufruf zur Gestaltung eines Kulturplakates geadelt.
